Guatemala Januar 2019

Kaffee-Reise nach Guatemala

17.-30.1.2019

Dieses Jahr sind wir nach Guatemala gereist. Ein Land zwischen Mexico und Honduras mit ca. 16 Mio Einwohnern, davon sind 38 % Indigenas, direkte Nachkommen der Mayas. Mit einem Analphabetenanteil von 20% gehört das Land zu den Staaten mit der höchsten Quote weltweit. Es gibt eine Krise des Gesundheitswesens; nur ein Prozent des BIP steht als Etat zur Verfügung. Guatemala ist ein armes Land mit einer langen Tradition korrupter Politik- und Wirtschaftseliten. Präsident Jimmy Morales, ein ehemaliger Komödiant, wurde gewählt, weil die Bevölkerung die etablierten Politiker satt hatte,  jetzt jedoch nichts Besseres vorfindet.

Geologisch ist das Land Teil des Vulkangürtels, der sich durch ganz Mittelamerika bis nach Panama zieht. Guatemala hat sowohl kalk- wie auch mineralhaltige Böden, die hervorragende Kaffees hervorbringen - und deshalb fuhren wir dort hin.

Die Medienwelt ist sehr begrenzt und auf Bildzeitungsniveau. Im Fernsehen gibt es über Fox-TV nur Unterhaltungssendungen und Sport.

 Die Reise dauert ca. 24 Stunden und am Freitag, dem 18.1.19 um ca. 10:00 Uhr morgens kommen wir im Hotel in Guatemala City an.

 18.+19.1.19

Guatemala City ist ein Moloch von Stadt mit ca. 4 Mio Einwohnern, wenn man die Randgebiete mitrechnet. Nach ein wenig Siteseeing, wie z.B. das Archeologische Museum Museo Nacional de Arqueología y Etnología und dem Mercado Central, die Kathedrale und den Palast trafen wir am Samstag  Abend die Gruppenmitglieder. Die Reise wurde von Dethlev Cordts, einem ehemaligen NDR-Journalisten, organisiert und ein Mal jährlich mit Röstern durchgeführt wird. Begleitet wird Dethlev immer von Marco Gross, einem ausgewiesenen Kenner Guatemalas, der bereits seit 40 Jahren hier lebt.

20.1.19, Sonntag

Um 9:00 Uhr geht es per Kleinbus nach Gualan (Stadt nach Rio Hondo), auf halbem Weg zur Karibik). Hier, in der Region Nuevo Oriente, befindet sich das Anbaugebiet von Lampocoy. Dort wohnen wir in einem kleinen, einfachen aber sauberen Hotel. Wir durften beobachten, wie ein LKW mit gewaschenen Pergaminos entladen und der Kaffee auf dem Pacio ausgebreitet wurde. Anschließend sahen wir die Bodega, das Kaffeelager.

 Das Anbaugebiet von Lampocoy befindet sich auf einer Höhe von 800 - 1500 m und es wird SHB - Kaffee angebaut, obwohl die Höhen eigentlich nicht ausreichen. Jedoch liegen die Temperaturen nur bei ca. 21 °C und der NO-Passat regnet an den Hängen einen feinen Sprühregen (Chipi Chipi) ab, so dass das Wachstum sehr langsam ist und das Aroma gut ausgebildet werden kann. Es werden vor allem die Varietät Catuai angebaut. Auf Zertifizierungen für Bio und Fairtrade verzichtet man. Ein Grund sind die hohen Kosten, ein anderer hat mitdem Bildungsstand der Bauern zu tun, der teilweise sehr gering ist. Bisher wird der Kaffee noch in Lohn in einer Beneficio im Tal aufbereitet, jedoch wird im nächsten Jahr in eine eigene Verarbeitungsanlage investiert. Die Kosten: ca. 50.000 €. Begründet wird die Investition in dem steigenden Anspruch an die Qualität. Lagenkaffee soll so nicht nur als Lage angebaut, sondern auch sorgsam weiterverarbeitet werden. Die Amortisation einer solchen Anlage liegt bei ca. 6.-8 Jahren.

 Don Victor und sein Sohn Andreas sind für die Arbeitseinteilung verantwortlich und haben sich für ihre Arbeit im gesamten Land einen herausragenden Ruf geschaffen.

Alles wird bisher fremd vergeben: Aufbereitung des Kaffes, Trocknung in einer Mietanlage, Transport und Schälen, Exportieren durch einen Exporteur und Vermarktung durch Thomas Stehls in Deutschland. Die Aufgabe von Dethlev Cordts besteht in der Organisation und Kundenpflege sowie teilweise in der Vorfinanzierung von Kaffee und Projekten.

 21.1.19 Montag

Morgens um 8 Uhr  fuhren wir mit dem Kleinbus nach La Union. Umsteigen in ein Pickup und weiter nach Lampocoy über Pisten. Begleitet werden wir zu Beginn von Don Victor und seinem Sohn auf seine Plantage. Mischkultur, mit Bananen, Kardamom zwischen den Kaffeepflanzen.

Die Blüte hat bereits eingesetzt, obwohl diese normalerweise erst im März / April beginnt. Wenig Roja, der Pilzkrankheit, die überall in Mittelamerika die Kaffee-Ernten drastisch beeinträchtigt. Besuch einer Aufbereitungsanlage. Wir durften beobachten, wie fermentierter Kaffee gereinigt wurde. Zuerst werden die minderwertigen Bohnen aussortiert und anschließend der gewaschene Kaffee eingesackt und zum Pacio gebracht.

 

Eine Trockentrommel, die mit Holz befeuert wird, stand auch zur Verfügung. Das Gebiet liegt sehr nahe an der Grenze zu Honduras. 

Anschließend Besuch der Grundschule mit ca. 250 Schülern. Dort haben wir Schreibutensilien an die Kinder verteilt (nicht an die Lehrer oder den Rektor, da sie es zu Geld machen würden). Schulen sind staatlich, die Schulpflicht beträgt 6 Jahre. Die Lehrerausbildung ist sehr überschaubar. Sie gehen mit 45 Jahren in Rente mit 89% des Gehalts.

Besuch der Familie von Don Theo, hier gab es Tortillas mit Ei und Bohnen gab. 

Besuch des Gesundheitspostens. Es fehlt an allem für die einfache medizinische Versorgung. Aufnahme der wichtigsten Dinge wie Fieberthermometer, einfache Medikamente, die beim nächsten Besuch von Dethlev Cordts  mitgebracht werden.

Mädchen bekommen im Alter von 16-20 Jahre ihr erstes Kind und haben im Durchschnitt 5-6. Häufig leiden die Kinder unter der Mangelernährung. Oft bekommen sie nur nach der Ernte ausreichend und nahrhaftes Essen, da dann wieder Geld da ist. Viele Menschen haben Existenzangst, denn mit dem niedrigen Kaffeepreis ist das Einkommen zu gering. Der lokale Koyote (regionale Aufkäufer des Kaffees) verdient immer gut, er bezahlt immer entsprechend dem Weltmarktpreis.

Das Projekt arbeitet mit 91 Kleinbauern und zahlt 160 Quetzal pro 46 kg (1 Euro = ca. 8,74 GTQ), deutlich mehr als der Koyote. Das gesamte Geld steht den Bauern zu. (Der Weltmarktpreis liegt momentan bei 102USct/lb + 25 CT’s Diff). Viele weitere Kleinbauern würden dem Projekt gern beitreten, allerdings hängt das vom Absatz des Kaffees ab.

 22.1.19 Dienstag

Nach 10 Stunden Fahrt sind wir im Hotel am Atitlan See, in Panajachel an. 

 Heute steht nur noch ein Bummel durch die Touri-Zone an.

 23.1.19 Mittwoch

Eine kurze Busfahrt ins Bergdorf San Antonio. Hier werden wir direkt von Souvenirverkäufern belagert. Wunderbares Wetter, rund um den See herrscht „ewiger Frühling“: blauer Himmel, grelle Farben. Eine Mayastadt mit Töpfereien, Webereien und einem Gemüsemarkt. Lecker Fisch ( Tilapia) direkt vom See in einem Restaurant am See. Rückreise mit dem Boot. Anschließend haben wir noch die Atmosphäre am See genossen, sind durch die Einkaufsmeile gebummelt und haben einen Kaffee im Café Loco genommen. Dieses wird von Koreanern (Mario und Freunde) betrieben, eine Kaffee-Sorte aus Huehuetenango (Arabica: Caturai/Catimor). Lecker. Erstmalig Cubano probiert.

 24.1.19 Donnerstag

Fahrt zur Finca Pachuj (Weg im Nebel) in der Region Atitlan. Wir werden von Andrés Fahsen empfangen, dessen Familie die Finca seit Mitte des 19. Jahrhunderts in 5. Generation führt. Vor einigen Jahren wurde die Finca in mehrere Teile unter den Familienmitgliedern aufgeteilt. Andrés hat in den Staaten studiert. Die Finca ist Rainforest -Alliance zertifiziert und produziert ca 6-7 Container Kaffee jährlich. Exportiert wird die Ware in die USA, Japan, Belgien, Frankreich. Angebaut wird Catuai, Catimor und Bourbon.

Permanent arbeiten auf der Plantage 19 Familien (ca. 80 Pers.). Während der Erntezeit ca. 500 Personen, die meistens aus der Region Ciché kommen. Sie erhalten einen Mindestlohn von 560 USS$. Allerdings erfolgt die Entlohnung nach der Leistung. Häufig sind die Familien zusammen auf den Feldern. Die Regierung hat die Schulferien auf die Erntezeit gelegt, so dass die Familien zusammen bleiben können.

Die Vollkosten der Finca belaufen sich momentan auf 2,86 US$/lb (weit höher als der Börsen notierte Kaffeepreis).

Die Pflanzungen sind so angelegt, dass zwischen den Kaffeesträuchern ein spezielles Gras angepflanzt wird. Das Gras wird nach einem Plan geschnitten und der Schnitt bleibt unter den Sträuchern. Die Vorteile bei dieser Methode: der Boden wird geschützt, gedüngt, kühl und feucht gehalten. So gibt es keine Erosion bei dem häufig heftig auftretenden Regen, und man kann auf die Schattenbäume teilweise verzichten. 

Die Plantagen werden produktiver, da auch im unteren Bereich Kirschen wachsen und die Ernte pro Strauch größer ist.

Weiterhin haben wir uns die Pulping Anlage angesehen. Nach dem Waschen der Kirschen erfolgt das Pulping und die Fermentation. Hierbei wird lediglich sauberes Wasser verwendet, wobei die Parchments nass eingeweicht werden, jedoch nicht unter Wasser schwimmen. Sie bleiben ca. 36 Stunden in dem Bassin, bevor sie ca. 24 Stunden im Wasserkanal liegen, wo sich noch einmal schlechte von den guten Bohnen trennen. Anschließend erfolgt die Trocknung auf dem Patio. Bevor die Bohnen voll getrocknet sind, ruhen sie aufgehäuft unter einer Plane, bevor sie wieder ausgestreut und weiter durch Wenden getrocknet werden. Ein Trockenofen wird nicht verwendet.

Andrés zeigte uns grüne Kirschen, die getrocknet werden. Sie werden vor allem von großen Kaffeekonzernen gekauft. Natas sind für den Guemaltekischen Markt vorgesehen.

 Weiterhin werden Avokado angebaut, die an einen Großhändler gehen, im Angebot ist auch Kaffeeblüten-Honig.

Mehrere ha der Farm ist unberührte Natur mit vielen Vögeln, Schmetterlingen, vielen wilden Tieren und zumindest einem Puma ( Kameras konnten ihn aufnehmen).

 Ankunft in Antigua bei Hans Masch (Pastores).  

werden in einem riesigen alten Gutshaus empfangen. Alle Räume sind randvoll mit historischen Gegenständen, die die Kultur, Religionen und Geschichte des Anwesens widerspiegeln. Der Garten ist traumhaft. Alle Pflanzen, die hier angepflanzt wurden, haben einen Nutzen für die Menschen, so hat es die Großmutter einst bestimmt. 

Don Hans erklärt uns den Kaffeeanbau in Guatemala:

 Es gibt 8 Regionen, die alle unterschiedliche Qualitäten hervorbringen. Die wichtigsten sind Huehuetenango, Antigua, Atitlan, Nuevo Oriente und Coban, SanMarco.

Die Höhen liegen bei 1000 - 1800 m. Die Regenmengen sind unterschiedlich und gehen von Chipi Chipi (Nuevo Oriente) bis zu 7000 mm (San Marco). Die Bodenbeschaffenheit ist meistens Vulkanboden oder Lehm/Kalk (Nuevo Oriente).

Es werden ca. 3,5 Mio Sack produziert, womit Guatemala an Platz 8-10 der Weltspitze steht. Geliefert wird an die USA, Japan, Südkorea, Deutschland/Italien etc.

Früher war Deutschland die Nr. 1 der Abnehmerstaaten.

Es gibt in Guatemala ca. 125.000 Kaffeebauern mit der folgenden Unterteilung:

65 % Kleinbauern

20 % mittelgroße Anlagen

15 % große Fincas.

 Für Guatemala ist Kaffee sehr wichtig. Die Kaffeeeinnahmen des Staates liegen bei ca. 750 Mio US$. 20 der 22 Regionen befassen sich mit dem Kaffeeanbau.

Weitere Einnahmen:  Bananen 700 Mio, Tourismus 1 Mrd, Zahlungen von Auslands-Guatemalteken aus den USA 9,5 Mrd.

 25.1.19 Freitag

Don Hans hat uns heute einen großzügigen Einblick in seine Finca gewährt.

Wir sind chronologisch alle Stationen der Produktion durchgegangen. Es werden die Bohnen der eigenen Plantage sowie Zukaufware verarbeitet. Zu den Kunden gehört u.a. L&B.

Es wird auch geröstet. Das Röstvolumen ist 300 to/monatlich.

Begonnen haben wir bei der Nursery. Die Saat-Bohnen werden  in langen Plastik-Schlauchbeuteln mit 25% Sand, 25% Humus und 50% lokaler Erde eingepflanzt. Don Hans hat uns das Aufpfropfen des Arabicas auf einen Robusta Trieb gezeigt. Der Vorgang startet nach dem Entwickungszyklus des Soldaten, wenn die ersten Blätter sprießen (Mariposa, Schmetterling). Der Robusta-Wurzeltrieb wird eingekerbt, das Arabica-Oberteil erhält ein V-Stumpf, der auf den Robusta gesetzt wird und mit Klebeband verbunden wird.

Wichtig ist auch der Schattenbaum, der die Plantage um einige Grad C runterkühlt.

 Anschließend haben wir ca. ½ Stunde  Kaffeekirschen gepflückt und festgestellt, dass jeder von uns durchschnittlich 5,5 lbs geschafft hat. Ein professioneller Pflücker schafft das Doppelte.

Weiter ging es zur Wet-Mill. Hier wurde uns gezeigt, wie wichtig das richtige Pulpen ist. Auf den Fermentationstank will Don Hans nicht verzichten. Die Washing Maschine arbeitet nicht präzise genug, da Mucilage immer im Schlitz der Bohne haften bleibt und die Qualität nicht kontrollierbar ist.

Wir sind weiter zum Patio gegangen, wo alle Gruppenmitglieder die Pergaminos gewendet haben. Anschließend kam die Dry-Mill: der Parchment lagert ca. 6 Wochen im Lager und muss ruhen. Anschließend wird der Kaffee geschält, nach Größe sortiert, nach Gewicht auf dem Gravitationsbett getrennt und anschließend von 120 Frauen geprüft, die schlechte Bohnen aussortieren. Nach dem Einsacken kann der Kaffee verladen werden.

 Nachmittags ging es nach Antigua Stadt - Weltkulturerbe. Wunderschön, alles im Kolonialstil belassen. Viele Touristen und Cafés. Wunderbare alte Architektur.  Hervorzuheben ist die alte Kathedrale, der Plaza Central, tolle Innenhöfe etc.

26.1.19 Samstag

Rückkehr nach Guatemala City. Wir deponieren die Koffer im Hotel Gran Tikal Futura und besuchen den wunderschönen Zoologischen Garten, der sowohl einen weißen Tiger als auch Löwen, Jaguare (auch schwarz), Leoparden (auch schwarzer Panter), etc. besitzt. Um 18:00 ging es weiter per Flug nach Flores. Dort fahren wir mit Dethlev zum Hotel Don David in Remate, das Dorf, wo auch Dethlev ein Haus besitzt. Das Hotel verfügt über einen Maya Garten und liegt direkt am Petén Itzá See. Einfache aber saubere schön gelegene Zimmer mit Hängematte vor dem Eingang, gutes Essen und super Service.

 27.1.19 Sonntag

Dethlev holt uns um 9:00 Uhr ab. Wir fahren nach Tikalin den Urwald. Tikal war das Zentrum der guatemaltekischen Maya für 1300 Jahre von ca. 500 AC bis 800 BC. Der Niedergang dieser Hochkultur wurde voraussichtlich durch eine Dürre verursacht, die über mehrere Jahre anhielt und lokal begrenzt war. Die Ausgrabungen begannen in den 50er Jahren und sind bei weitem noch nicht abgeschlossen. Erst kürzlich hat man festgestellt, dass noch unzählige Gebäude vom Urwald bedeckt sind.

Was man heute sieht, ist überwältigend: große Pyramiden, Paläste, eine Sternwarte, viele Stelen und Opfersteine. Viele Stätten sind frei begehbar durch den Besucher.

Bei der Rückkehr zum Auto sind wir an alten Maya-Teichen vorbeigekommen, wo wir noch ein Krokodil sahen.

 28.1.19 Montag

Vor dem Frühstück hat uns Don David einen Einblick in seinen Maya-Garten gewährt und die Bedeutung und den Nutzen einiger Pflanzen erklärt. Im Zentrum der Anlage steht der Ceiba, der heilige Baum der Maya. Er ist das Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Er wurde am 1.1.2000 zusammen mit einem MA von Don David gepflanzt. Viele Maya dachten, dass mit dem Ende des Jahrtausends auch das Ende der Erde kommen wird. Schon zuvor sagten die Maya das Ende des Lebens voraus, was, wie wir wissen, nicht zutraf, allerdings ein großes Happening in Tikal bewirkte.

 29.1.9 Dienstag

Rückreise

Der Flug nach Mexico-City findet um 19:00 statt. Weiterflug nach Amsterdam um 23:45. Alles pünktlich. Eine tolle Reise.